Mehr Nachhaltigkeit, weniger Verschwendung

Nachhaltigkeit ist ein großes Wort – wir stellen uns der Verantwortung und schauen uns die Zusammenhänge bei Lebensmitteln an. Nachhaltig mit Lebensmitteln umzugehen, fängt bereits auf dem Acker an, geht beim regionalen und saisonalen Einkauf weiter und endet noch lange nicht beim achtsamen Konsum und der effizienten Nutzung von Energie und Ressourcen.

Glasweltkugel auf Moos im Wald
Wir leben in einer zerbrechlichen Welt – Bild: Romolo Tavani / stock.adobe.com

 

Nachhaltigkeit meint dabei immer, dass nicht mehr genutzt wird als gleichzeitig produziert werden kann. Wie in einem Wald: Es dürfen immer nur so viele Bäume geschlagen werden, wie auch nachwachsen können. Ein empfindliches Gleichgewicht, für das es sich lohnt einzutreten.

Was Lebensmittel angeht, können wir viel tun: Regional und saisonal einkaufen, keine Reste wegwerfen und auch mal einer krummen Gurke eine Chance geben, um nur einige Beispiele zu nennen. So wird keine Energie verschwendet, die unser Klima unnötig belastet und wir tragen zum Klimaschutz bei und der Erhaltung der Erde, wie wir sie kennen.


Bio und regional einkaufen

Der Weg unserer Lebensmittel beginnt auf dem Bauernhof. Meist arbeiten Bio-Bauernhöfe nachhaltiger als ein konventionell bewirtschafteter Hof, denn hier wird in Kreisläufen gedacht. Die Tiere bekommen das Gras vom hofeigenen Grünland zu fressen und der Mist der Tiere dient wiederum als Dünger für das Getreide oder Gemüse.

Ein solcher Hof ist nicht spezialisiert und kann sowohl Fleisch als auch Milch, Getreide und Gemüse produzieren. Damit der Kreislauf funktioniert, dürfen nicht mehr Tiere gehalten werden, als Mist auf die Felder ausgebracht werden kann. Das schützt die Böden und gleichzeitig das Grundwasser vor zu viel Nitrat. Damit ein solches System wirklich funktioniert, braucht es gute Gegebenheiten und sehr viel Wissen

In der intensiven Landwirtschaft, wie sie von den meisten konventionellen Höfen betrieben wird, gelangt durch den Einsatz von Dünger und die Massentierhaltung viel Nitrat ins Grundwasser und die umgebenden Flüsse. Das Wasser muss für die Trinkwasserversorgung aufwendig wiederaufbereitet werden. Ein unbefriedigender Teufelskreis, der Energie frisst.

Ein Schritt in die richtige Richtung für mehr Klimaschutz beim Essen ist es also, auf regionale Bioprodukte zu setzen. Mehr darüber, erfahrt ihr auch hier: Regional oder Bio? Alles über nachhaltige Ernährung.

Nachhaltige, pflanzenbasierte Lebensmittel
Nachhaltige, pflanzenbasierte Lebensmittel – Bild: okrasiuk / stock.adobe.com

Tierische Lebensmittel

Ein echter Energiefresser in der Lebensmittelproduktion sind tierische Produkte, ganz besonders das Fleisch. Denn die Tierhaltung steht letztlich in Konkurrenz zur Ernährung des Menschen. Je nach Tierart stecken in einem Kilo Fleisch zwei bis zehn Kilogramm Futter. In Zeiten des Klimawandels mit Ernteausfällen durch Extremwetter ist das ein bedenkenswerter Faktor.

Um nachhaltig und klimafreundlich zu essen, ist es also sinnvoll mehr pflanzliche Produkte zu verwenden. Wenn es Fleisch oder Fisch gibt, darf das gerne etwas Besonderes sein und dann restlos aufgegessen werden. So gehen Genuss und klimabewusste Ernährung miteinander einher.

Fleischstücke vom Rind
Grafik: Denys Holovatiuk / stock.adobe.com, Bearbeitung: Gaumenfreundin

 

Ideal ist es auch, wenn nicht nur Brust und Filet gegessen werden, sondern auch die alten Delikatessen wie Zunge oder Leber wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht gibt es ja auch bei euch noch irgendwo ein lang vergessenes Familienrezept?

Lebensmittelverschwendung: Krummes Gemüse, Foodsharing und Resteküche

Echte Verschwendung von Energie und Ressourcen sind Lebensmittel, die zwar erzeugt, aber nicht gegessen werden. Das fängt auf dem Acker an, geht im Supermarkt weiter und findet sein trauriges Ende im privaten Haushalt oder der Gastronomie.

Schon auf dem Acker werden zu dicke Kartoffeln oder zu kleine Kohlköpfe aussortiert. Die strengen Normen, wie eine Möhre oder eine Gurke aussehen müssen, wurden zwar glücklicherweise gelockert, doch im Handel finden sich trotzdem überwiegend perfekte Produkte.

Das hat viele Gründe, ist aber vor allem schade, denn auch dreibeinige Möhren lassen sich verarbeiten und Äpfel mit Schalenfehlern schmecken genauso gut, wie ihre makellosen Verwandten. Und ein kleiner Haushalt freut sich vielleicht sogar über einen kleinen Blumenkohl, bei dem nicht die Hälfte übrigbleibt. Dass hier dann nach Gewicht und nicht nach Stück bezahlt werden sollte versteht sich wohl von selbst.

Schild-Lebensmittelverschwendung
Bild: hkama / stock.adobe.com

Solche unperfekten Produkte finden sich zum Beispiel im Hofladen, einer Biokiste oder bei den Marktschwärmern. Es gibt sogar Anbieter, die krummes Gemüse per Paket versenden, wie Etepetete oder Querfeld.bio.

Im Handel geht die Verschwendung weiter. Massenhaft unverkaufte Ware kommt in den Müll, denn auch die Weitergabe an die Tafeln oder das Foodsharing wird nicht überall genutzt. Eine tolle Lösung ist es, wenn Supermärkte Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) kurz vor dem Ablaufen steht, zu vergünstigten Preisen abgeben. Wenn klar ist, dass es heute noch Milchreis gibt, kann auch die Milch in den Einkaufswagen, die nicht noch bis nächste Woche haltbar ist.

Wenn in Supermärkten oder der Gastronomie nicht alles verkauft wurde, gibt es in vielen Städten tolle Möglichkeiten, um Lebensmittel weiterzugeben. Neben den Tafeln gibt es zum Beispiel die Foodsharer, die zum verabredeten Zeitpunkt vorbeikommen, Lebensmittel mitnehmen und weiterverteilen. Auch Apps wie „to good to go“ bieten die Möglichkeit, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Hier bieten Unternehmen übrig gebliebenes Essen oder Lebensmittel zum Sonderpreis an.

Eat me first-Schild vor Tupperdosen im Kühlschrank
Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, beginnt im eigenen Kühlschrank – Bild: HollyHarry / stock.adobe.com

 

Zu Hause haben wir es zum Glück selber in der Hand, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Am Anfang steht ein gut geplanter Einkauf – am besten satt und mit einem Einkaufszettel in den Laden gehen, das hilft gegen Impulskäufe, die hinterher im Kühlschrank vergammeln. Wenn dann doch mal was übrigbleibt oder das Brot hart geworden ist, empfehlen wir, es für ein Restegericht zu verwenden. Viele kreative Ideen gibt’s in unserem Artikel Goodbye Lebensmittel-Verschwendung – Unsere Tricks zur Haltbarkeit & Resteküche.

Nachhaltigkeit in der Gastronomie kann viele Formen haben: Ein eigener Kräutergarten und der direkter Einkauf beim landwirtschaftlichen Betrieb in der Region sind dabei einfache Schritte in die richtige Richtung. Auch die kreative Verwertung weniger beliebter Fleischstücke – Stichwort „from nose to tail“ – bringt nicht nur Abwechslung auf den Teller, sondern nutzt auch die Ressource Lebensmittel richtig gut aus. Wenn dann die Gäste noch ihre Reste vom Teller mit nach Hause nehmen und am nächsten Tag genießen, können wir wirklich restlos glücklich sein.

Plastik-verpackte Bananen
Es muss nicht alles in Plastik verpackt werden! – Bild: Patryssia / stock.adobe.com

 

Darf’s ein bisschen weniger Verpackung sein?

Ja, unbedingt! Der Berg an Verpackungsmaterial, der bei einem durchschnittlichen Einkauf im Supermarkt entsteht, ist echt riesig. Dagegen können wir etwas tun: An der Brottheke und in der Obst- und Gemüseabteilung mit Mehrwegbeuteln einkaufen zum Beispiel. Getränke, Milch und Joghurt gibt es im Pfandglas und wer bei haltbaren Produkten wie Müsli, Nudeln und Co zu größeren Verpackungen greift, kann auch hier Material sparen.

Wart ihr schon mal in einem Unverpackt-Laden? Davon gibt es vor allem in größeren Städten inzwischen echt einige. Hier findet ihr verpackungsfreie Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Müsli, Nüsse – alles in großen Behältern, aus denen sich jede:r soviel abfüllen kann wie gewünscht. Eingekauft wird in mitgebrachten Beuteln und Gefäßen oder im Pfandglas aus dem Laden.

Lebensmittel-Behälter im Unverpackt-Laden
Lebensmittel-Behälter im Unverpackt-Laden – Bild: reichdernatur / stock.adobe.com

 

Unverpacktes Obst und Gemüse gibt es auch auf dem Markt oder im Bioladen. Im Supermarkt ist Bioware leider oft in Plastik verpackt und so von konventionellen Produkten schwer zu unterscheiden. Schade eigentlich, denn es gibt so viele umweltfreundlichere Möglichkeiten: von Aufklebern, über Banderolen, bis hin zum Laser-Tattoo auf der Schale.

 

Energieverschwendung – kannste dir sparen!

Energiesparen nützt dem Klima und gleichzeitig dem Portemonnaie. Beim Einkaufen gibt es viele Möglichkeiten, Energie zu sparen: Das Auto stehen lassen und zu Fuß oder mit dem Rad einkaufen zum Beispiel. Für schwere Lasten eignen sich stabile Fahrradtaschen, Anhänger oder ein klassischer Einkaufstrolley.

Wenn der Einkauf zu Hause ist, geht es ans Lagern. Auch hier kann man viel richtig machen. Zum Beispiel Lebensmittel gut verpacken und den Kühlschrank richtig einräumen. Obst und Gemüse gehören ins Gemüsefach, Fleisch hat es gerne kühl und kommt entweder in die dafür vorgesehene Schublade oder ins unterste Fach, Milchprodukte darüber und ganz oben gefällt es Käse und Resten von gekochtem Essen.

Weggeworfene Lebensmittel im Mülleimer
Zuviel Lebensmittel landen einfach im Müll – Bild: mhp / stock.adobe.com

 

Auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Energiesparen bedeutet auch, nur so viel kaufen, wie wir wirklich brauchen. Denn wenn wir ein Lebensmittel wegschmeißen, landet gleichzeitig jede Menge wertvolle Energie im Müll. Also am besten immer den Überblick behalten, was sich in Kühlschrank und Tiefkühler tummelt und alles rechtzeitig verbrauchen.

Beim Zubereiten sparen wir Energie, indem wir den Topf auf eine passende Platte stellen. Eine größere Herdplatte verschwendet unglaublich viel Energie.Dann kommt ein Deckel auf den Topf, damit die Wärme drinnen bleibt. Auch der Ofen verbraucht sehr viel Energie, sodass wir ihn gezielt anschalten und nur so lange Vorheizen, wie es wirklich nötig ist. Viele Gerichte brauchen gar keinen vorgewärmten Ofen und am Ende der Garzeit kann der Ofen sogar schon ausgeschaltet werden, denn die Hitze bleibt noch einige Minuten erhalten.

Hand verschließt Kochtopf mit Deckel
In der Küche lässt sich viel Energie einsparen – Bild: Kirill Gorlov / stock.adobe.com

 

Fazit: Wir haben es selbst in der Hand

Wir hoffen, dieser Artikel zeigt euch, dass wir es selbst in der Hand haben, wie viel Energie und Ressourcen wir verschwenden. Im täglichen Umgang mit Lebensmitteln können wir nämlich viel Energie einsparen. Das fühlt sich nicht nur klasse an, sondern ist auch gut für die Umwelt!

Unsere 10-Tipps für eine nachhaltige und gesunde Ernährung

  1. Reichlich Obst und Gemüse
  2. Am besten regionale Produkte der Saison
  3. Tierische Produkte durch pflanzliche ersetzen
  4. Bei Getreideprodukten Vollkorn wählen
  5. Milchprodukte in Maßen
  6. Fleisch von Bio-Betrieben aus der Region
  7. Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltigen Quellen
  8. Unnötiges Verpackungsmaterial vermeiden
  9. Leitungswasser trinken
  10. Mit Genuss essen und weniger wegwerfen
10 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung
Klicken, runterladen und ausdrucken!

 

Titelbild: Romolo Tavani / stock.adobe.com

Autor:in

Porträt von Steffi Sinzenich

Julia Icking

Julia ist Diplom-Ökotrophologin und betreibt ein eigenes Text­büro mit dem Schwerpunkt Lebensmittel und Ernährung. Für unser Gaumenfreundin-Magazin schreibt sie zu allen Themen rund um Ernährung, eine gesunde Lebensweise und die Warenkunde von Lebensmitteln.

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