Fairtrade einfach erklärt: Standards, Siegel, Produkte

Den Gedanken an Fairtrade oder fairen Handel verbinden die allermeisten mit der Zahlung eines „fairen Preises“ für Kaffee, Schokolade oder Bananen. Also einen Mindestpreis, der für ausgewählte Produkte immer gezahlt werden muss – unabhängig vom aktuellen Weltmarktpreis. Doch hinter dem Fairtrade-Siegel auf einem Produkt steckt weitaus mehr als nur ein garantierter Preis. Es geht um die Menschen, die hinter den Produkten stehen, die Produzenten und Arbeiterinnen, und um den Umweltschutz.

Kaffeebohnen, Schokoladenstück und Bananen auf Untergrund mit Fairtrade-Stempel
Bild: Visions-AD / stock.adobe.com

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit den Zielen von Fairtrade und den Standards, die ein Produkt erfüllen muss, um Fairtrade-zertifiziert zu sein. Wir zeigen dir die unterschiedlichen Siegel und stellen dir eine kleine Auswahl an Fairtrade-Produkten vor. Sei also gespannt!


Globaler Handel: die Probleme

Welche Bauern haben die Kaffeebohnen für meinen Espresso geerntet? Welche Näherin hat meine Jeans genäht? Wer hat meinen Goldschmuck produziert? Vor allem aber: Unter welchen Bedingungen?

Der globale Handel wächst unaufhörlich und immer schneller. Dadurch sind die Produktionswege vieler Erzeugnisse oft nur schwer nachzuverfolgen. Während große Unternehmen von der Globalisierung profitieren, leiden beispielsweise kleine landwirtschaftliche Betriebe unter den Entwicklungen. Insbesondere Plantagenbesitzer werden im weltweiten Warenverkehr ausbeuterisch behandelt.

Bananenproduzent Roberto Gallo aus Peru in seiner Plantage
Bananenproduzent Roberto Gallo aus Peru | Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Angela Ponce / Fairpicture

Um das Überleben ihrer Familien zu sichern, müssen Kinder bereits in jungen Jahren arbeiten gehen, statt die Schule zu besuchen – und das oftmals unter schlimmsten Bedingungen. Darüber hinaus fehlt es an Aufklärung zur nachhaltigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen. Beim Anbau von Lebensmitteln kommen außerdem unkontrolliert gesundheitsgefährdende Pestizide zum Einsatz.

Was ist fairer Handel?

Das oberste Ziel des Zertifizierungssystems Fairtrade ist es, die Arbeitsbedingungen der Menschen zu verbessern, die auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern arbeiten. Durch das Zahlen eines fairen Preises wird der Handel zwischen Konsumenten und Produzenten verändert – und dadurch verbessert.

Die internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels EFTA, WFTO und die Fairtrade Labelling Organisation e.V. (FLO) haben eine offizielle Definition für den Fairen Handel festgehalten:

„Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent:innen und Arbeiter:innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fairhandelsorganisationen engagieren sich (gemeinsam mit Verbraucher:innen) für die Unterstützung der Produzent:innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“¹

Fairtrade-Bananen
Fair gehandelte Bananen bekommen das Fairtrade-Siegel | Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Santiago Engelhardt

Der Unterschied zwischen Fairtrade und Fair Trade

Fairtrade ist nicht gleich Fair Trade. Während Fairtrade eine geschützte Kennzeichnung wie das Bio-Siegel ist, beschreibt Fair Trade allgemein Produkte aus gerechtem Handel. Produkte, die eines der offiziellen Fairtrade-Siegel tragen, erfüllen die von der FLO festgelegten Kriterien. Daneben gibt es aber eben auch weitere Fair-Trade-Zertifikate wie beispielsweise Naturland fair und Rainforest Alliance. Unser Fokus liegt heute auf dem Fairtrade ohne Leerzeichen.

Übrigens: Die Fairhandelsbewegung entstand lange vor der Gründung von Fairtrade. Bereits 1950 schlossen sich NGOs (Nichtregierungsorganisationen), gemeinnützige Importeure und Produzentengruppen zusammen, um die Arbeits- und Lebensbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern.

Standards des Fairtrade-Zertifikats

Seit der offiziellen Gründung im Jahr 2005 arbeiten die Mitwirkenden von Fairtrade mit sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards. Diese sollen die Beziehung aller Beteiligten stärken und den Umweltschutz fördern.

Fairtrade International entwickelt die Kriterien in Rücksprache mit allen Beteiligten. Sie gelten für alle Schritte in der Wertschöpfungskette – vom ersten Samen bis zum verpackten Produkt.

Fairtrade-Standards
Soziale, ökologische und ökonomische Kriterien der Fairtrade-Standards

Für weitere Infos zu den unterschiedlichen Fairtrade-Standards lohnt sich ein Blick auf die Website. Hier gehts lang: Fairtrade-Standards.

Fairtrade-Siegel für Lebensmittel

Produkte mit einem Fairtrade-Siegel stammen aus fairem Handel. Bei ihrer Produktion werden die sozialen, ökologischen und ökonomischen Standards eingehalten.

Fairtrade-Siegel für Mischprodukte

 

Das allgemeine Fairtrade-Produktsiegel kennzeichnet fair angebaute Produkte, die zu 100 % fair gehandelt sind. Dies lässt sich durch die Nachverfolgung der Produktionswege überprüfen. Klassische Beispiele sind Kaffee und Bananen.

 

Allgemeines Fairtrade-Siegel

Das Fairtrade-Siegel mit dem Pfeil nach rechts zeigt, dass es sich beim betreffenden Produkt um ein Mischprodukt oder um ein Produkt mit Mengenausgleich handelt. Das bedeutet, dass alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen beschafft werden können, auch Fairtrade sind bzw. dass der Fairtrade-Rohstoff indirekt rückverfolgbar ist.

 

Daneben gibt es noch weitere Fairtrade-Siegel für Produkte aus Baumwolle, Goldschmuck oder Kosmetikprodukte, die ebenfalls kennzeichnen, dass die verwendeten Rohstoffe und Inhaltsstoffe aus fairem Handel stammen. Hier gibt es eine Übersicht über die verschiedenen Fairtrade-Siegel.

Wie sicher sind die Siegel?

Mittlerweile ist klar, dass hinter Fairtrade eine positive Intention steckt. Doch wie sicher sind die Fairtrade-Siegel? Kann nicht jede Firma ihre Produkte mit dem entsprechenden Siegel anbieten? Die Antwort lautet: Nein. Denn jedes der angebrachten Siegel ist eine geschützte Text-Bildmarke. Das bedeutet, dass es nur für Produkte verwendet werden darf, die entsprechend den Fairtrade-Standards produziert und gehandelt werden. Lizenzverträge aller Beteiligten sollen dies garantieren und Verstöße werden strafrechtlich verfolgt.

Arbeiter einer Rosenfarm in Kenia
Auf Rosenfarmen in Kenia arbeiten zum größten Teil Frauen. | Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Christoph Köstlin

Fairtrade Deutschland gibt einen umfangreichen Einblick in den Prozess der Qualitätssicherung. Falls dich dieses Thema interessiert, klick hier: Zertifizierung und Kontrolle.

Fairtrade-Produkte

Die Liste der Produkte, die ein Fairtrade-Siegel aufgestempelt bekommen, ist lang und wird immer länger. Hier ein kleiner Einblick in die Vielfalt an Fairtrade-Lebensmitteln und deren Herausforderungen beim Handel.

• Kaffee: Kaffeebohnen sowie gemahlener Kaffee sind DAS Produkt unter den Fairtrade-Produkten. Als früheres „Kolonialprodukt“ ist der globale Marktpreis schon immer ein Problem – allen voran für die Produzenten. Beim Kauf von Fairtrade-Kaffee setzt du dich nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen von Arbeiter:innen und Produzenten ein, sondern auch für nachhaltigere Bewirtschaftung der Plantagen.

Unser Lieblingsrezept mit Kaffee: cremiger Kaffee-Smoothie mit Avocado.

Fairtrade Kaffee mit Siegel
Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Ilkay Karakurt

• Bananen: Weltweit zählen Bananen zu dem am meisten gekauften Frischobst. Auch wir haben immer eine Staude Bananen für einen gesunden Bananen-Chiapudding oder ein saftiges Bananenbrot zu Hause. Wer sich einmal mit dem Anbau von Bananen auseinandersetzt, der merkt sehr schnell, dass besonders Kleinbauerfamilien um ihre Existenz bangen. Das Fairtrade-Siegel unterstützt diese Menschen beim Handel mit Bananen.

Fairtrade-Bananen mit Siegel
Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Jakub Kaliszewski

• Kakao und Schokolade: Greifst du zu Kakao und Schokolade mit Fairtrade-Siegel, unterstützt du auch hier die Bauernfamilien in Entwicklungsländern. Du trägst dazu bei, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Fairtrade Schokolade mit Siegel
Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Ilkay Karakurt

• Honig: Die Honigproduktion dient vielen Kleinbauerfamilien dazu, ihr geringes Einkommen zu steigern. Fairtrade sorgt dafür, dass auch die Familien, die weit außerhalb großer Städte wohnen, einen angemessenen Preis für ihren Honig bekommen.

Bei uns kommt Honig am meisten zum Einsatz für das Anrühren eines Honig-Senf-Dressings.

• Quinoa, auch bekannt als das Gold der Inkas, hat vor allem in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Doch auch hier gibt es Unterschiede von Qunioa mit und ohne Fairtrade-Siegel und ein Wechsel lohnt sich; vor allem in Hinblick auf die Umwelt. Denn während Fairtrade den Produzenten eine sichere Einkommensquelle ermöglicht, steht das ökologische Gleichgewicht der Regionen im Fokus.

Bei uns findest du zahlreiche Rezepte mit Quinoa. Unser persönlicher Favorit: fruchtiger Salat mit Orangen, Spinat und Quinoa.

Salat mit Orangen, Babyspinat und Quinoa

Selbstverständlich bildet die Liste nur eine kleine Auswahl der Produkte ab, die du Fairtrade-zertifiziert kaufen kannst. Halte deine Augen auch auf nach dem Fairtrade-Siegel auf den Verpackungen von Reis, Nüssen, Ölen, Zucker, Kräutern und Gewürzen. Probiere dich auch mal durch unterschiedliche Tee- und Weinsorten aus fairem Handel.

Entdecke darüber hinaus auch BlumenKosmetikprodukte oder sogar Fußbälle, produziert nach Fairtrade-Standards. Denn mit jedem Kauf unterstützt du Fairtrade dabei, existenzielle Einkommen zu sichern, vom Klimawandel betroffenen Kleinbauern zu helfen und Kinderarbeit zu verhindern. Hier findest du eine Übersicht von fair gehandelten Produkten.

Fairtrade-Produkte im Einkaufskorb
Bild: Fairtrade Deutschland e.V. / Miriam Ersch

Fairtrade: Unser Fazit

Nach gründlicher Recherche können wir sagen, dass wir vom Fairtrade-Siegel überzeugt sind. Trotz kritischer Stimmen, die das Tun von Fairtrade hinterfragen, machst du beim Kauf von Fairtrade-Produkten wie Kaffee, Kakao, Bananen und Honig nichts falsch. Im Gegenteil: Der höhere Preis, den du für ein zertifiziertes Produkt bezahlst, ist eine gute Investition in eine fairere Welt. Die Arbeit der Mitwirkenden gilt als vertrauenswürdig. Sie setzen sich für die Verbesserung sozialer Arbeitsbedingungen ein, bekämpfen gezielt Kinderarbeit und machen sich stark für eine nachhaltige Produktion.

Entdeckst du häufiger Produkte mit einem Fairtrade-Siegel? Oder kaufst du bewusst faire Produkte? Schreib uns deine Meinung.

Quellen:

1. https://www.fairtrade.de/cms/media/pdf/was_ist_fairer_handel/fairtrade_Definition_des_fairen_Handels.pdf

Autor:in

Porträt von Steffi Sinzenich

Alisa Voltermann

Alisa ist freie Food-Redakteurin und SEO-Fachfrau. Die vegane Ökotrophologin unterstützt uns mit ihrer Erfahrung aus zahl­reichen Food-Redaktionen und schreibt über alles, was mit frischen Lebensmitteln und gesunder Ernährung zu tun hat.

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