Glutenunverträglichkeit – Leben mit Zöliakie

Bei einer Glutenunverträglichkeit reagiert der Körper auf das Klebereiweiß Gluten. Es steckt in vielen Getreidesorten und ist eine beliebte Zutat beim Backen, denn es hat richtig tolle Eigenschaften für den Teig. Leider muss bei dieser Unverträglichkeit strikt auf Gluten verzichtet werden, um Gesundheitsschäden zu vermeiden. Welche Symptome eine Zöliakie anzeigen, wie die Diagnose gestellt wird und worauf man für einen Alltag ohne Gluten achten muss, erfährst du hier im Artikel.

Frau mit Weizenähren in der Hand hält sich mit der andern Hand den Bauch

Bild: Andrey Popov/stock.adobe.com

Was bedeutet Glutenunverträglichkeit?

Zöliakie – so lautet der Fachbegriff für Glutenunverträglichkeit – ist eine Reaktion des Körpers auf Gluten. Das ist das Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten für besonders tolle Backeigenschaften sorgt. Es macht den Teig schön stabil, so dass er gut aufgehen kann. Wer betroffen ist, sollte auf Gluten verzichten, um bleibende Folgen abzuwenden. Ohne diesen Verzicht können gesundheitliche Probleme auftreten, die allerdings nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Meist treten aber auch Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen auf. Medizinisch betrachtet handelt es sich weder um eine Allergie noch um eine Unverträglichkeit. Zöliakie ist vielmehr eine chronische Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann.

Die größten Veränderungen betreffen den Darm, denn hier wird die Oberfläche geschädigt, so dass kaum noch Nährstoffe aufgenommen werden. Das liegt an einer Entzündung, die dazu führt, dass sich die sogenannten Darmzotten zurückbilden. Das sind große, wellenförmige Ausstülpungen der Darmwand, die unter dem Mikroskop aussehen wie in Falten gelegter Stoff. Mit diesem Trick vergrößert der Körper die Oberfläche, um besonders viele Nährstoffe aus dem Essen zu holen. Bleibt die Unverträglichkeit lange unerkannt, verlieren Betroffene Gewicht und es entstehen Nährstoffmängel. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich das Wachstum verzögern und die körperliche Entwicklung gestört sein.

Die gute Nachricht ist: Steht die Diagnose fest und die Ernährung wird umgestellt, hat der Bauch Gelegenheit, sich zu erholen. Der Verzicht auf Gluten gilt dann lebenslang. Zum Glück sind Hersteller gesetzlich verpflichtet, glutenhaltige Zutaten auf der Verpackung von Lebensmitteln anzugeben und außerdem gibt es mittlerweile viele speziell hergestellte, glutenfreie Produkte.

Glutenunverträglichkeit, Glutenintoleranz, Glutensensitivität – Was ist der Unterschied?

Auch wenn es kompliziert klingt, lassen sich die Begriffe gut trennen: Die Worte „Intoleranz“ und „Unverträglichkeit“ bedeuten einfach das Gleiche. So sind sowohl Glutenintoleranz als auch Glutenunverträglichkeit das, was Fachleute Zöliakie nennen, also eine anhand bestimmter Kriterien diagnostizierbare Reaktion gegen das Klebereiweiß Gluten.

Im Unterschied dazu ist die Glutensensitivität deutlich schwerer zu greifen. Das Phänomen kann nur durch eine Ausschlussdiagnose festgestellt werden. Das bedeutet, dass es keine festgelegten medizinischen Kenngrößen gibt, die eine Glutensensitivität anzeigen, sondern es müssen alle anderen Ursachen für die auftretenden Symptome ausgeschlossen werden, so dass am Ende nur noch die Glutensensitivität übrigbleibt.

Welche Symptome gibt es bei Glutenunverträglichkeit?

Oft ist es ein langer Weg bis zur Diagnose Glutenunverträglichkeit, denn die Symptome sind eher unspezifisch. Es lohnt sich aber, den Ursachen nachzugehen, um ernste Folgen zu verhindern. Klassische Symptome einer Zöliakie betreffen die Verdauung. Es kommt zu

  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Erbrechen oder
  • Bauchkrämpfen

Sie treten auf, wenn Patienten Gluten essen, sind aber nicht immer vorhanden. Weitere Anzeichen für eine Glutenunverträglichkeit sind unspezifische Symptome wie

  • Gedeihstörungen (Wachstumsstörung bei Kindern)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen oder
  • Probleme mit der Haut

Die Krankheit kann auch auf die Stimmung schlagen und zu Nervosität, depressiver Verstimmung und Reizbarkeit führen. Eine Glutenunverträglichkeit äußert sich also auf viele verschiedene Arten, so dass eine genaue ärztliche Diagnose wichtig ist, bevor Gluten aus der Nahrung verbannt wird.

Glutenunverträglichkeit feststellen

Wer den Verdacht hegt, an einer Glutenintoleranz zu leiden, sollte sich auf den Weg zum Arzt machen, denn nur hier kann sie zuverlässig diagnostiziert werden. Da die Umstellung der Ernährung aufwendig und teilweise mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, lohnt es sich genau hinzuschauen. Von Speichel-, Stuhl- oder Schnelltests für zu Hause rät die Deutsche Gesellschaft für Zöliakie  ab, da sie nicht zuverlässig sind und somit letztlich nur Geld kosten.

Beim Arzt gibt es zuverlässige Methoden, eine Glutenunverträglichkeit festzustellen. Wichtig ist, dass die Diagnose sicher ist, bevor die Ernährungsumstellung beginnt, denn nur so sind Fehlschlüsse vermeidbar. Als erstes wird das Blut untersucht, denn wer an Zöliakie leidet, hat meist bestimmte Antikörper im Blut. Bei Kindern und Jugendlichen genügen manchmal verschiedene Blutuntersuchungen für die Diagnose. Sonst bringt eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut Absicherung und Bestätigung. Hier zeigt sich die Glutenunverträglichkeit in der entzündlichen Veränderung der Schleimhaut und dem Fehlen der Zotten. Wie die Diagnose genau vonstatten geht, liest du im Artikel Test auf Glutenunverträglichkeit.

Glutenunverträglichkeit behandeln

Zöliakie muss grundsätzlich durch den vollständigen Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel behandelt werden. Schon kleine Mengen dieser Substanz können erneut Symptome auslösen und den Darm schädigen – hier unterscheidet sich die Zöliakie deutlich von anderen Unverträglichkeiten. Wichtig ist, dass Betroffene folgende Getreidearten und alle Produkte daraus meiden:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste

und die Verwandten des Weizens:

  • Dinkel
  • Grünkern
  • Kamut (Khorasan)
  • Emmer
  • Einkorn

Das bedeutet, dass jegliche Backwaren, Brote, Nudeln, Fertigprodukte und Süßigkeiten, die mit diesen Getreidesorten hergestellt sind oder bei der Produktion damit in Kontakt gekommen sein können, ungeeignet sind. Auch Hafer muss häufig gemieden werden, da er oft in glutenhaltiger Umgebung verarbeitet wird. Es gibt jedoch glutenfreie Sorten und Produkte, die an der Kennzeichnung auf der Verpackung zu erkennen sind.

Verschiedene glutenfreie Getreidesorten neben Schüsseln mit zugehörigem Mehl

Bild: bit24/stock.adobe.com

Gute Alternativen zu glutenhaltigen Getreiden stellen folgende Sorten dar:

  • Amarant
  • Buchweizen
  • Hirse
  • Mais
  • Reis
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte

Neben der Vermeidung bestimmter Lebensmittel ist größtmögliche Hygiene in der Küche wichtig, denn auch kleinste Spuren von Gluten können bereits Symptome auslösen. Mehr Informationen über den Umgang mit Glutenintoleranz im Alltag liest du im Artikel Ernährung bei Glutenunverträglichkeit.

Leben mit Glutenunverträglichkeit

Ja, es ist eine große Umstellung, wenn das Brot vom Bäcker, normale Nudeln und Pizza keine Option mehr sind. Zum Glück gibt es heute garantiert glutenfreie Ersatzprodukte und auch in der Gastronomie gibt es oft verlässliche Auskünfte. Außerdem sind viele Lebensmittel von Natur aus glutenfrei: zum Beispiel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis, Kartoffeln und die große Auswahl an Milchprodukten. Nach einer gewissen Orientierungsphase kann die glutenfrei Ernährung genauso bunt und gesund gestaltet werden wie vorher. Bei Unsicherheiten gibt es auch digitale Unterstützung zum Beispiel von Apps wie Codecheck.

Rezepte: Glutenfreie Leckerbissen

➡️ Hier findest du alle glutenfreien Rezepte

 

Weitere Informationen findest du bei der DZG: 

www.dzg-online.de

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