Nutri-Score – mit Ampelfarben durch den Lebensmitteldschungel

Seit etwa einem Jahr dürfen verpackte Lebensmittel eine neue Kennzeichnung tragen: den Nutri-Score. Diese Buchstaben-Farb-Ampel zeigt, ob ein Lebensmittel eher gesund ist oder eben doch nicht so sehr. Wir schauen uns an, was hinter den Buchstaben und Farben steckt, wie die Lebensmittelindustrie das Label nutzt und warum ein Fertiggericht mit Bestnote trotzdem keine gesunde Ernährung garantiert.

Nutri_Score auf Joghurtbecher

So funktioniert der Nutri-Score

Der Begriff Nutri-Score setzt sich aus den englischen Begriffen „Nutrition“ für Ernährung und „Score“ für Wert zusammen. Er nutzt die bekannten Ampelfarben und Buchstaben, um die Nährstoffe in einem Lebensmittel zu beurteilen. Die Skala reicht von grün über gelb und orange bis hin zu rot, ergänzt durch die Buchstaben von A bis E. Ein dunkelgrünes A markiert den besten Wert, ein rotes E ist die schlechteste Stufe. Die Kennzeichnung gehört auf die Vorderseite der Verpackung und ist damit schnell zu sehen. Dahinter steckt ein Berechnungssystem, dass eine Menge Faktoren berücksichtigt. Der Nutri-Score kennzeichnet verarbeitete Lebensmittel und Getränke.

Nutri-Score-Stufen im Überblick

Den Nutri-Score berechnen

Der Nutri-Score beruht auf verschiedenen Faktoren. Als Ausgangspunkt dienen die Nährwerttabelle und das Zutatenverzeichnis, die ohnehin jedes verpackte Lebensmittel tragen muss. Dabei gelten reichlich Ballaststoffe, Eiweiß, Gemüse und Obst als positiv, viele Kalorien und gesättigte Fettsäuren, viel Salz und Zucker dagegen sind schlecht.

Im Punktesystem des Nutri-Score bedeutet das: Ein Lebensmittel mit viel Zucker bekommt viele Punkte, ein Produkt mit viel Gemüse wenige. Also nicht verwirren lassen: Wenige Punkte = hohe Wertung, also z. B. eine grünes A.

Die Punkteverteilung für Getränke funktioniert nochmal ein bisschen anders, beruht aber auf dem gleichen System. Das Buchstaben-Farb-Schema des Nutri-Score fasst die Infos zusammen und zeigt das Ergebnis auf einen Blick.

Günstige Bestandteile Ungünstige Bestandteile
Obst und Gemüse Energiegehalt/Kalorienanzahl
Nüsse und Hülsenfrüchte Gesättigte Fettsäuren
Raps-, Walnuss- und Olivenöl Zucker
Ballaststoffe und Eiweiß Salz

Der Nutri-Score im Supermarkt

Seit November 2020 ist der Nutri-Score in der EU zugelassen und kann auf der Vorderseite verpackter Lebensmittel stehen. Die Kennzeichnung ist freiwillig, so dass er im Supermarkt nicht überall zu finden ist. Einige Hersteller und Handelsmarken nutzen ihn jedoch auf allen Produkten. Dann hat er eine gute Aussagekraft und macht die Auswahl von günstigen Lebensmittel einfach. Da die Kennzeichnung freiwillig ist, werden allerdings kaum alle Hersteller und Unternehmen mitmachen. So bleibt zu vermuten, dass vor allem das grüne A und das hellgrüne B erscheinen werden.

Einkaufswagen vor Supermarktregal
Bild: Gina Sanders / stock.adobe.com

Den Nutri-Score verstehen

Bis hierher haben wir geklärt, wie der Nutri-Score berechnet wird und was hinter der Buchstaben-Farb-Kombination steht. Allerdings fehlt noch eine wichtige Information, um den Nutri-Score beim Einkauf nutzen zu können. Es handelt sich nämlich nicht um eine allgemeingültige Angabe wie die Nährwertangaben, die alle Lebensmittel miteinander vergleichbar machen. Die neue Ampelkennzeichnung betrachtet immer den Vergleich innerhalb einer Lebensmittelgruppe.

Was ist eine Lebensmittelgruppe?

Als Lebensmittelgruppe gelten Produkte, die man gegeneinander austauschen könnte. Im Fachsprech heißt das dann: Die Produkte werden zur selben „Verzehrgelegenheit“ gegessen. Nach dem Mittagessen schmeckt dem einen ein Fruchtjoghurt, dem anderen ein Becher Pudding. Der Gedanke hinter dem Nutri-Score lautet also: Wie kann ich auf einen Blick entscheiden, welches der beiden Produkte günstiger für die Ernährung ist. Der Nutri-Score zeigt, wie sich die Summe der Zutaten verhält. Kurz gesagt: Je grüner die Kennzeichnung, desto besser.

Nutri-Score auf Tiefkühl-Pizzen

Weil ein Becher Pudding normalerweise nicht in Konkurrenz zu einem fertigen Mittagessen steht, ist es nicht sinnvoll, das grüne A auf einem Fertigmenü mit dem gelben C auf einem Pudding zu vergleichen. Das muss man sich wirklich erst einmal deutlich vor Augen führen. Der Nutri-Score erlaubt diesen Vergleich nicht, weil die Lebensmittel zu unterschiedlichen Gelegenheiten gegessen werden. Ein bisschen tricky ist das schon.

Den Nutri-Score beim Einkauf nutzen

Um den Nutri-Score beim Einkauf zu nutzen, ist es sinnvoll, sich an der höchsten Wertung zu orientieren. Das Produkt mit einer grünen A- oder B-Kennzeichnung ist einem ähnlichen Produkt mit einer niedrigeren Wertung „überlegen“. Das Schöne am Nutri-Score ist, dass er ein bekanntes Farbschema und die ersten Buchstaben des Alphabets nutzt. So ist diese Zusammenfassung von Nährwerttabelle und Zutatenverzeichnis intuitiv verständlich. Die Kennzeichnung ist nicht nur leicht zu erfassen, sondern hilft nachweislich dabei, Lebensmittel nach ihrer Nährwertqualität zu unterscheiden. Wer auf ein gesundes Produkt Wert legt, ist gut damit beraten, den Nutri-Score zu beachten.

Nutri-Score auf Knusperbrot

Sonderfall: Öle und Fette

Ein schwieriges Thema für den Nutri-Score sind Öle und Fette. Lange Zeit wurde jede Art von Fett verdammt und ausschließlich als Dickmacher betrachtet. Das kommt daher, dass auch jede Art von Fett richtig viele Kalorien liefert. Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild hier deutlich gewandelt. Mittlerweile ist klar, dass hochwertige Pflanzenöle einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten. Sie enthalten einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind.

Im Gegensatz zu den Pflanzenölen liefern tierische Fette überwiegend gesättigte Fettsäuren. Davon essen die meisten von uns genug oder sogar zu viel. Um diesem Unterschied zwischen tierischen und pflanzlichen Fetten gerecht zu werden, bezieht der Nutri-Score bei der Berechnung das sogenannte Fettsäurenprofil mit ein. Hier haben pflanzliche Produkte die besseren Werte. Das erklärt, warum zum Beispiel eine Margarine auf Basis pflanzlicher Fette besser abschneiden kann als Butter. Ein fettreiches, aber hochwertiges Rapsöl erhält trotzdem nicht unbedingt ein rotes E, denn die Fettsäuren-Zusammensetzung ist sehr gut.

Nutri-Score auf Saucen-Flasche

Warum der Nutri-Score?

Schon lange ist klar: Eine einfache Kennzeichnung erleichtert den gesunden Einkauf. Weniger klar war lange, welche es sein soll. Denn tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten. Inzwischen ist die Wahl also auf den Nutri-Score gefallen, denn er gilt als gut begründet und leicht verständlich. Er zeigt an, wenn Lebensmittel viele ungesunde Zutaten enthalten, also einen hohen Gehalt an Kalorien, Fett, Zucker oder Salz haben. Gleichzeitig beachtet er hochwertige Zutaten wie Obst und Gemüse, Ballaststoffe und Eiweiß. Außerdem gehört er auf die Vorderseite des Lebensmittels und ist so im Regal sofort sichtbar. Mit den allseits bekannten Ampelfarben und Buchstaben ist er kinderleicht zu verstehen und ersetzt das mühsame Entziffern der Infos auf der Rückseite.

Was spricht für den Nutri-Score?

Der Nutri-Score fußt auf einem klaren Berechnungssystem. Er macht komplizierte Zusammenhänge zwischen Zutaten und Wertigkeit auf einen Blick sichtbar. Der Nutri-Score erleichtert die Entscheidung zwischen verschiedenen Produkten unterschiedlicher Hersteller. Es hat sich gezeigt, dass die Buchstaben-Farb-Kombination intuitiv verstanden wird und das Sortieren von Lebensmitteln bezogen auf ihre Nährwertqualität ermöglicht.

Nutri-Score auf Käse-Verpackung

Kein Garant für eine gesunde Ernährung

Auch wenn die Berechnung wissenschaftlich ist und auf dem aktuellen Stand der Forschung basiert, ist der Nutri-Score kein Garant für eine gesunde Ernährung. Das große Missverständnis liegt darin, dass angenommen wird, Produkte mit einem grünen A sind total gesund. Wie oben schon beschrieben, ist aber der Vergleich innerhalb der Lebensmittelgruppe entscheidend. Wenn ein Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe ein dunkelgrünes A trägt, bedeutet das nicht, dass es das gesündeste Essen ist, das zum Mittagessen auf den Tisch kommen kann. Es bedeutet nur: Wenn du ein Fertiggericht zum Mittagessen haben möchtest, dann ist dieses hier eine gute Wahl.

Ausgewogen ernähren mit dem Nutri-Score

Der Nutri-Score kann eine ausgewogene Ernährung immer dann unterstützen, wenn die Wahl auf ein verarbeitetes Lebensmittel fällt. Dann zeigt die Buchstaben-Farb-Kombination auf einfache Weise, welches Produkt die bessere Wahl ist. Am allerbesten ist es allerdings, wir kaufen naturbelassene Lebensmittel und kochen so oft wie möglich selbst.

 

Beitragsbild: Gina Sanders / stock.adobe.com

Autor:in

Porträt von Steffi Sinzenich

Julia Icking

Julia ist Diplom-Ökotrophologin und betreibt ein eigenes Text­büro mit dem Schwerpunkt Lebensmittel und Ernährung. Für unser Gaumenfreundin-Magazin schreibt sie zu allen Themen rund um Ernährung, eine gesunde Lebensweise und die Warenkunde von Lebensmitteln.

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